Samstag, 27. Juni 2009

GSoC/HCD 2009 Status, Monat 1

Der erste der drei GSoC/HCD Monate ist um. Obwohl einige Studenten noch mit ihren Semesterprüfungen beschäftigt waren, gibt es einen kleinen Statusbericht der meisten Teilnehmer. Weitere Details tauchen immer wieder auf deren Blogs auf.

  • Adrien Destugues (Blog)
    Adriens Arbeit an Kataloge für Übersetzungen von Anwendungen funktioniiert jetzt grundsätzlich mit Haikus API. Als nächstes kommt unter anderem International Components for Unicode (ICU) und ein Panel zum Einstellen der Sprache dran. ICU bietet u.a. Konvertierungen von Datum, Zeit, Währungen und ähnlichen länderspeifischen Besonderheiten. Später, nach dem eigentlichen GSoC soll es noch einen Wrapper für die gettext Bibliothek für POSIX Anwendungen geben.
  • Maxime Simon (Blog)
    Maxime und sein Mentor Ryan Leavengood haben an den Grundlagen für den Browser gearbeitet und den WebKit Port auf den neuesten Stand gebracht. Insbesondere hat Maxime an der Bookmark Verwaltung, einer Werkzeugleiste und dem Design vom Rendern mehrerer paralleler Prozesse gearbeitet. Anfang des Monats war er mehr mit dem WebKit beschäftigt, dessen Haiku-spezifischer Code an an die aktuelle Version angepasst werden musste.
  • Johannes Wischert (Blog)
    Johannes hat endlich seinen Gumstix Overo Water samt Tobi Erweiterung geliefert bekommen. Vorher hat er sich auf den Kernel und den U-Boot Loader konzentriert, die er unter Qemu getestet hat. Als nächstes steht die MMU Unterstützung und einen Treiber für den microSD Cardreader an.
  • Bryce Groff (Blog)
    Bryce hat schon einiges an Code hochgeladen. Mit DriveSetup können mittlerweile BFS Partitionen erstellt und gelöscht werden. Getestet hat er das ganze übrigens unter Haiku, das in Qemu unter Haiku lief!
  • Ankur Sethi (Blog)
    CLucene, eine Bibliothek für eine Such-API, gibt es Dank Ankurs Portierung nun als OptionalPackage im Buildsystem. Der Indizierungs Daemon, der ermittelt welche Dateien indiziert werden sollen oder deren Index aktualisiert werden muss, mach auch schon erste Fortschritte. Diese Ergebnisse zu durchsuchen und mittels Translators innerhalb von nicht-Textdateien zu suchen, stehen auch noch auf Ankurs Agenda.
  • Raghu Nagireddy (Blog)
    Raghu hat die wichtigsten Funktionen des FUSE Moduls implementiert. Für den Rest muss er sich noch etwas eingehender mit Haikus Virtual File System auseinandersetzen. Dann muss das Ganze mit der fs-shell kompiliert werden. Das Debugging kann dann mit Werkzeugen des Hostsystem übernommen werden.

Mini-Interview mit 11. TYA Sieger: Humdinger

Bei Haikuware findet sich das traditionelle Mini-Interview mit dem letzten TYA Gewinner.

Wie alt bist Du und womit verdienst Du Dein Geld?

Ich bin 37 und arbeite als technischer Redakteur für eine Firma, die Reparaturanleitungen für einen der gerade "prosperierenden" Auto/Motorradhersteller erstellt...

In der Nominierung heißt es Du wärst schwer mit Haikus Dokumenattaion beschäftigt gewesen. Wie schwer (oder einfach) war das? Hast Du in den letzten zwei Monaten anderes vollbracht, das wir übersehen haben und das Du als erfolgreicher oder interessanter empfindest?

Schwer oder einfach... es ist wohl keins von beiden. In erster Linie ist es zeitaufwändig: schreiben, ein Bildschirmfoto machen, mehr schreiben, etwas neu schreiben, wieder zurück und den Screenshot aktualisieren, usw. Dann muss man immer auf der Hut sein, um die ganzen Änderungen und Erweiterungen nicht zu verpassen, während Haiku heranwächst.
Auch das richtige Maß muss gefunden werden. Man möchte ja nicht jedes selbsterklärende Menü und Button beschreiben. Andererseits kann dieses Weglassen den Leser irritieren: Warum sind da Lücken, ist die Dokumentation veraltet? Ich versuche auf alle Fälle alles vernünftig ausführlich zu beschreiben und denke mir, das ich oder jemand anders später die Sachen ja auch nochmal ändern oder ganz rausschmeißen kann.

Ich muss allerdings zugeben, dass ich in den letzten zwei Monaten Doku-mäßig nicht allzu aktiv war. Außer ein paar Korrekturen und wenigen neuen Sachen lief da eigentlich nicht so viel. Am meisten haben mich eher die Übersetzungen der Google Summer of Code und Haiku Code Drive Interviews in Beschlag genommen. Nicht dass ich diese Übersetzungen als Riesenerfolg ansähe, vielmehr sind sie ein Ausdruck des Respekts für alle Studenten und ihre Mentoren.

Was würde Dir die Arbeit an Haiku erleichtern?

Obwohl Haiku bei mir meistens in VirtualBox läuft, wäre ein Treiber für die nVidia 7600GS meines Notebooks toll. Momentan muss ich im VESA fail-safe Mode booten, der das Bild horizontal auf dem Breitbild-LCD verzerrt. Das ist so unscharf, dass ich's nur für ein paar Minuten aushalte um irgendwas nachzuschauen, bevor ich schnell wieder zurück zur VirtualBox in Ubuntu zurückkehre.

Welches interessante Buch, Band, Podcast, Website, Magazin, Film, Serie etc. würdest Du gern empfehlen?

Mal sehen... Bill Brysons Buch "A Short History of Nearly Everything" lässt sich gut lesen. Es erzählt wie wissenschaftliche Entdeckungen gemacht wurden und wie wir erfuhren was wir heute über das Leben, das Universum und alles sonst wissen. Nicht total wissenschaftlich natürlich, aber eine unterhaltsame Abhandlung, die den Kern der Sache trifft.
Als Podcast empfehle ich den Geologic Podcast von George Hrab, ein sehr witziger und intelligenter Musiker. Manchmal steigert er sich etwas rein, aber das ist wohl normal wenn man etwas mit Leidenschaft tut. Die James Randi Educational Foundation ist ein weiteres Highlight. Während einen das Swift Blog mal amüsiert mal schockiert, ob des um sich greifenden Unverstands und dessen skrupellose Ausnutzung durch betrügerische Geschäftemacher, ist das Forum der eigentliche Lichtblick. Hier schreiben einige äußerst schlaue Leute. Ich lese meist in der Wissenschaftsecke und verirre mich nur ab und zu in die Verschwörungstheorie oder Paranormale Rubrik um mal kräftig abzulachen. Nachtrag: Ein gute Übersicht über die Fakten zur Klimadebatte findet sich in dieser 12teiligen Vorlesung (120 Minuten). Sehr interessant für alle, die wissen wollen was denn nun Sache ist.

Was noch... Ach ja: "Buffy the Vampire Slayer" rules! Ja, immernoch. :E
Danke an alle die gewählt haben. Ich finde für den Thank You Award nominiert zu sein ist schon der Ehre genug. Zu Gewinnen ist dann nur noch das Sahnehäubchen. Nichtsdestotrotz, in meinem miesen Leben auch mal zu gewinnen, fühlt sich echt gut an. Witzle!
Ernsthaft, vielen Dank, Jungs!

Qt Port kommt voran

Vor nicht zu langer Zeit gab's von Evgeny Abdraimov mal die Meldung, das der Qt Port einen guten Schritt voran gekommen ist. Die QtGUI Bibliothek lässt sich nun für Haiku kompilieren und einige Sachen laufen auch schon. Natürlich fehlen noch weite Teile von Qt, Hilfe wäre also bestimmt sehr willkommen.
Hier handelt es sich übrigens um einen Port, der ohne X11 auskommt und sich daher besser ins System integriert. Anders sieht's da bei dem anderen Qt Projekt im Rahmen von TiltOS aus. Das nutzt X11, läuft daher nur in einem X11-Fenster, ist aber dafür schon etwas weiter.

Qt ist ein sehr umfangreiches Framework, das fast alles (und mehr) enthält, was Haikus eigene API bietet; von GUI Elementen bis Kommunikation über TCP/IP. Entsprechend umfassend ist das Softwareangebot, das auf das Qt Toolkit setzt, z.B. KDE, Opera, Mathematica, MainActor, VirtualBox, VLC, Scribus und die Entwicklungsumgebung Qt Creator. Qt für Haiku würde Portierungen dieser Softwaretitel möglich machen und Haiku ein Riesenangebot an (teilweise) ausgereiften Programmen eröffnen.

Nun gibt es allerdings auch eine Kehrseite der Medaille...
Wie auch schon mal auf der Developer Mailingliste zu lesen war, sind nicht alle Entwickler von den Vorteilen von Qt überzeugt. Es besteht die Gefahr, dass sich die Qt Ports nicht in die Haiku Umgebung integrieren und der Vorteil der Nutzung systemweiter Technologien, die Haiku so attraktiv machen, verschwindet. Man stelle sich vor die Nutzung von Multithreading, MediaKit, DataTranslators, Attribute, Queries, Node-Monitoring, Replicants und evtl. auch einiges von Haikus Look & Feel und die Philosophie-der-guten-Defaults-statt-Optionsorgien wäre nicht mehr überall
vorhanden.

Es sind praktisch die Argumente, die gegen jede Portierung sprechen. Qt könnte da allerdings als besonderer Katalysator wirken: Portierungen (die nicht auf Haiku Technologien eingehen) werden relativ einfach und das Qt-Softwareangebot ist so groß, dass nativ entwickelte Programme ins Hintertreffen geraten könnten, "weil's ja schon alles gibt".

Aber nachdem sich Qt nicht aufhalten lässt, sobald jemand genügend Motivation aufbringt es zu portieren, ist die Frage, ob man die Sache nicht unterstützen sollte, wenn's soweit ist. Dann würde sich Qt so gut es geht ins System integrieren und so Haiku zumindest möglichst wenig schaden...

Es wurde auch kurz angedacht Qt zukünftig als Nachfolger des InterfaceKit zu verwenden. Qt wäre von der Philosophie her ähnlich, aber halt viel vollständiger. Außerdem wird es von einer vergleichsweise riesigen Entwicklergemeinde weiterentwickelt und getestet. Das Gegenargument ist natürlich, dass man einen integralen Teil von Haiku aus der Hand gibt. Wozu überhaupt ein eigenes Betriebssystem entwickeln, wenn man um Arbeit zu sparen am Ende nicht ein komplett eigenes System hat, das man nach Belieben seinen Wünschen anpassen kann?

Wäre interessant zu erfahren, wie Leute zu der Sache stehen, die sich in der Materie auskennen. Ich selbst hab mich damit nicht eingehender beschäftigt, obige Aussagen sind also als die evtl. etwas uninformierte Einzelmeinung eines Endusers zu betrachten...

Freitag, 26. Juni 2009

11. Thank You Award naht

Wer noch weitere Kandidaten für den 11. Thank You Award hat, muss sich beeilen sie zu melden. Ab morgen beginnt die Abstimmung! Leider konnten bisher nicht alle Kandidaten erreicht werden. Somit sind's bisher nur drei:

  • David McPaul "dlmcpaul" - hat kürzlich den H264 und ASF Decoder zum Laufen gebracht. Nebenher verbesserte noch die bestehenden Codecs. Ohne ihn wäre die Haiku Welt um einiges weniger bunt.
  • Clemens Zeidler "czeidler" - hat den Email Einstellungen etwas Intelligenz eingehaucht: Man muss nur noch seinen Namen und Email Adresse eingeben und anhand einer Liste werden automatisch die POP und SMTP Adressen ausgefüllt. Praktisch!
  • Joachim Seemer "Humdinger" - war angeblich schwer mit der Doku für Haiku beschäftigt. [Ich muss allerdings zugeben, dass ich in dieser Hinsicht in den letzten Monaten eher faul war... :)]


Update:
Überraschenderweise lag ich bei der Abstimmung ganz knapp vor David McPaul und Clemens Zeidler. Ist mir fast peinlich, ich halte beide für "würdiger"... Nichtsdestotrotz: "Ich möchte mich herzlich bei allen Wählerinnen und Wählern für ihr Vertrauen bedanken...". Ach nee, Europawahl ist ja erst nächstes Wochenende. :)

Samstag, 20. Juni 2009

10. RMLL in Nantes, Frankreich

Das 10. Rencontres Mondiales du Logiciel Libre (RMLL), ein Treffen für Freunde Freier Software, findet dieses Jahr vom 7. bis 11. Juli 2009 in Nantes, Frankreich, statt.

Wie schon im vergangenen Jahr, wird Haiku auch diesmal wieder mit einem Stand vertreten sein. Neben François Revol, der die Sache wieder angeleiert hat, sind wahrscheinlich auch Alexandre Deckner, Adrien Destugues und Philippe Houdoin mit von der Partie. François ist übrigens auch für zwei Vorträge vorgesehen: Einmal über den Haiku Port auf die ARM Architektur und dann noch über die BeOS/Haiku Community und ihre Entwicklung in einer Opensource Umgebung.

Wer Bock hat und vielleicht gerade Urlaub in der Ecke Frankreichs machen möchte, kann ja mal vorbei schauen und Hallo sagen.

Freitag, 19. Juni 2009

Paladin in Version 1.0

Nach nur 7 Monaten hat Darkwyrms BeIDE-Ersatz Paladin die 1.0-Reife erreicht, d.h. alle für den Anfang geplanten Features sind vorhanden und sowohl die gcc2, wie auch die gcc4 Variante, läuft stabil im täglichen Einsatz. Neben der stabilen Version wird es auch immer wieder Entwicklungsversionen geben, die zeigen was noch so in Arbeit ist. Als Beispiele dafür nennt Darkwyrm einen makefile-Generator, besseres Multithreading beim Build, verbesserte Integration von Resource-Dateien, Shellskript-Unterstützung und schnelle Projekt-Backups.

Dass Paladin nicht nur Ersatz für die BeIDE ist, zeigt eine kleine Liste seiner Verbesserungen:

  • Opensource - jeder kann den Code nach Belieben weiterentwickeln, solange das Copyright der Originaldateien erhalten bleibt
  • Dateien wie ToDo-Listen und andere Notizen lassen sich zum Projekt hinzufügen
  • flex und bison Unterstützung
  • Das kompilierte Projekt kann flexibel gestartet werden: Debug-Ausgaben können geloggt werden, Argumente können beim Start übergeben werden
  • Debug-Unterstützung mit gdb in Haiku
  • Projektdateien benutzen ein offenes Format
  • Projekte können vom Terminal aus kompiliert werden
Darkwyrm würde sich sehr über Feedback freuen. Er hat selbst gemerkt, dass die meisten Bugs und Featurewünsche erwartungsgemäß dann zutage treten, wenn man Paladin tagtäglich benutzt. So laufen mittlerweile alle seine Projekte unter Paladin; auch Paladin selbst. Die IDE ist also wirklich einsatzbereit.

Neben Paladin arbeitet Darkwyrm an einem GUI Designer, der sich bestimmt gut im Paladin Paket integrieren wird. Dafür hat er ein internes API Gerüst ersonnen, das ein wenig wie Python funktioniert. Es erlaubt seiner Software äußerst simpel aus z.B. einer Checkbox einen Radio-Button zu machen. Diese Flexibilität wird zum einen die Entwicklung des Designers vereinfachen, zum anderen werden sich auch neue, selbst entwickelte Interface Klassen/Widgets leicht integrieren lassen.
Außerdem sieht's so aus, als wäre dieses Backend sprachunabhängig, d.h. es ließe sich vielleicht auch mittels Python, Perl oder yab nutzen. Die weitere Entwicklung wird allerdings erst noch zeigen, ob das wirklich so möglich ist.

Auch zum GUI Designer ist Darkwyrm natürlich sehr an Wünschen, Tips und Vorschlägen evtl. zukünftiger Anwender interessiert.
Er rechnet mit ersten Ergebnissen Ende des Sommers. Wer immer uptodate sein will, sollte öfters mal bei seinem Blog vorbeischauen.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Nachgereicht: Podcast-Interview von den Chemnitzer Linux Tagen 2009

Vollkommen überraschend bin ich über ein Interview von Stephan Aßmus und Axel Dörfler gestolpert, das die beiden anlässlich der Chemnitzer Linux Tage im März diesen Jahres für RadioTux gegeben haben. Knapp 25 Minuten (MP3/OGG) erzählen die beiden von Haikus Entstehung, dessen Vor- und Nachteile und klären natürlich auch die immer gern gestellte Frage, wozu Haiku, wenn es doch schon Linux gibt...
Von dem Interview musste ich bei den Weblinks der Haikuseite auf Wikipedia erfahren. Also ehrlich, Jungs, sowas darf man doch nicht verheimlichen. Wie ihr seht, kommt's ja doch irgendwann raus. :)

Mittwoch, 10. Juni 2009

BeOS Artefakte: Hard-, Soft- und Wear-ware

Der Langzeit-BeOS-User Kancept bietet seine umfangreiche Sammlung rund um BeOS auf Ebay zum Verkauf an. Angebote werden aus Versicherungs-/Versandgründen allerdings nur aus USA/Canada angenommen.
Neben einer Menge Shirts, PR-Material und Originalsoftware, dürften die 2x66Mhz BeBox und das BeIA Qubit Tablett die Highlights der Kollektion sein.

Update:
Wie bei OSNews zu lesen oder im 12. Podcast auch zu hören, hat die Sammlung für satte $2.675 den Besitzer gewechselt!